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Reise in eine prähistorische Zeit

BFS-NRW LogoStellen Sie sich vor, Sie betreten den Gang eines Gebäudes der modernen Welt und ein 1,60cm großer, aber sehr muskulöser Mann blickt ihnen entgegen.
Er trägt ein weißes Hemd, schwarze Hose und Turnschuhe. Der Corona-Mundschutz hängt unter seinem extrem flachen Kinn. Mund und Nase sind auffällig breit. Über den Augen fallen deutlich vorgeschobene Knochenwülste auf. Die Stirn ist sehr flach und der Haaransatz weit hinten. Sein Name ist „Homo Sapiens Neandertalensis. Dieser fremdartige Mensch ist kein Fremder, sondern einer unserer Urahnen, der bereits vor mehr als vierzigtausend Jahren an dem kleinen Flüsschen Düssel im Neandertal zuhause war.

Zwölf Mitglieder des BFS-NRW unter der Leitung von Klaus Müllner unternahmen am 26. Juni 2021 nahe der Stadt Düsseldorf eine Reise in die prähistorische Zeit. Wir trafen uns um 10:15 Uhr bei herrlichem Sommerwetter am Haupteingang des Neandertal-Museums. Freundliche Mitarbeiter halfen auf Wunsch, eine Info-APP aufs Smartphone zu laden und gaben allen Mitgliedern Kopfhörer für Audioguides aus. Die Gruppe wurde geteilt, da für jeweils sechs Personen eine persönliche Führung durch das Museum geplant war. 

Ein mit Fellen bekleideter Neanderthaler stemmt einen Stein über seinem Kopf

Die Zeitreise begann vor etwa fünf Millionen Jahren als die Gattung Mensch aus dem Stamm der Primaten zu einer eigenen Entwicklung aufbrach. An jeder Station im Museum erzählte der Audioguide oder die Museumsführerin über das Leben in der damaligen Welt. Modelle der Schädel-, Arm- und Beinknochen konnten ertastet werden. Wir lernten Lucy kennen, die vor drei Millionen Jahren noch ein bisschen dem Schimpansen ähnelte, aber in Afrika auf zwei Beinen durch die Wälder lief, um dort nach essbaren Planzen zu suchen. 

 Gruppe im Museum vor dem Modell der Steinziet-Lucy

Vor eineinhalb Millionen Jahren lernten unsere Vorfahren Feuer zu machen. Damit änderte sich auch die Auswahl der Nahrung. Fleisch konnte über dem Feuer aufbereitet und leichter verzehrt werden. Mit der Veränderung der Nahrung veränderte sich auch das menschliche Gebiss. Aus der Schnauze wurde mehr und mehr ein Mund. Mit der Zubereitung der Nahrung und der Jagd wuchs der Umgang mit Werkzeugen. Die Hände wurden immer geschickter. Mit dem Geschick wuchsen das Gehirn und die Intelligenz. Dem größeren Gehirn passte sich wiederum die Schädelform an. Die Stirn wurde steiler. Homo Erectus, der aufrecht gehende Mensch, besiedelte Europa schon vor siebenhunderttausend Jahren und war uns ähnlicher als den übrigen Primaten. Der Neandertaler hatte bereits vor achtzigtausend Jahren eine Gesellschaftskultur mit gemeinsamer Jagd und Fürsorge für Schwächere. Höhlenmalereien, Flöten, kleine Skulpturen und rituelle Bestattungen zeugen von emotionaler Intelligenz und Empathie. 

 Ertasten von Museumsexponaten.

An einem Touch Point saß unsere Gruppe um einen Tisch herum und konnte weitere Exponate in die Hand nehmen. Neben Knochenmodellen, einem etwa 5kg schweren Mammut-Backenzahn ertasteten wir Werkzeuge der Steinzeit. Dazu gehörten der Faustkeil und das Steinmesser. Ferner gab es erstaunlich scharfe Steinklingen, die von unseren Ahnen in gebogenem Holz mit Baumharz verklebt wurden und so als Schneidesichel dienten. Holzlanzen mit Pfeilspitzen aus Stein wurden zu gefährlichen Waffen selbst für große Tiere wie den Bär und das Mammut. 

Museumsführerin zeigt vershciedene Schädel, die am Tisch ertastet, angeschaut und verglichen werden können

Nach fast drei Stunden im Museum wanderte die Gruppe bei Sonnenschein an der Düssel bis zu den Kalksteinen entlang, wo vor 150 Jahren die Knochen des Neandertalers zum ersten Mal entdeckt worden waren. Zurück in der Zukunft endete unsere Reise im Garten eines italienischen Cafés, das neben Kaffee und Kuchen auch leckeres Eis im Angebot hatte. Nach diesem gemütlichen Zusammensein traten alle wieder ihre Heimfahrt an. 

 Beim Spaziergang entlang de rDüssel am kalksteinfelsen.

Diese wunderbare Zeitreise wird mir noch lange in bester Erinnerung bleiben. 

(Bericht von Dieter Kleffner - Buchautor) 

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